6. August 2015

Zwei neue Assistant Professorinnen und eine Beförderung zur Professorin am IST Austria

Bestellungen in Neurobiologie und Entwicklungsbiologie • Ameisenforscherin Sylvia Cremer zur Professorin befördert

Thomas Henzinger, Präsident des IST Austria, gab heute zwei neue Professorinnen bekannt. Entwicklungsbiologin Anna Kicheva und Neurobiologin Sandra Siegert werden als Assistant Professorinnen an das IST Austria kommen und die Anzahl der ProfessorInnen auf 39 erhöhen. Sylvia Cremer, eine Evolutionsbiologin, wurde zur Professorin am IST Austria befördert. Henzinger: „Die Bestellungen zeigen, dass IST Austria weiterhin hervorragende junge WissenschaftlerInnen anzieht. Und Sylvia Cremers Beförderung demonstriert, dass das Institute ihnen die Umgebung bietet, in der ihre Forschung florieren kann.“

Anna Kicheva, 35 Jahre, stammt aus Sofia, Bulgarien, und ist Entwicklungsbiologin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Aufbau und der Verwendung von quantitativen Zugängen um zu untersuchen, welche Mechanismen während der Entwicklung das Wachstum kontrollieren und die Musterbildung in Geweben steuern. 

Kicheva studierte Zellbiologie und Angewandte Computerwissenschaften am Bennington College, USA. Für ihre Doktorarbeit forschte sie von 2003 bis 2008 im Labor von Marcos González-Gaitán, zuerst am MPI für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden, Deutschland, dann an der Universität von Genf, Schweiz. Während ihres Doktorats forschte sie zur Bildung von Morphogengradienten und der Wachstumskontrolle während der Flügelentwicklung von Fruchtfliegen. Sie verwendete bildgebende Verfahren um zu untersuchen, wie sich das Morphogen Dpp im Gewebe verteilt und maß die Kinetik, mit der sich ein Konzentrationsgradient bildete. Für ihr Postdoc wechselte Kicheva 2008 an das Labor von James Briscoe am National Institute for Medical Research, London, UK. Dort untersuchte sie das Verhältnis zwischen der Entstehung von Genexpressionsmustern und dem Wachstum des sich entwickelnden Rückenmarks bei Mäusen und Küken. Ihre Arbeit zeigte, dass das Muster der Genexpression nicht mit den Veränderungen in der Gesamtgröße des Neuralrohrs skalieren, und dass anisotropes Gewebewachstum zur Schaffung des Musters beiträgt. Anna Kicheva wird im November 2015 an das IST Austria kommen.

Sandra Siegert, 34 Jahre alt, ist eine deutsche Neurowissenschaftlerin. Ihre Forschung wird von der Frage angetrieben, wie genetische Defekte zu Erkrankungen führen. Insbesondere möchte Siegert die Funktion von Mikroglia, einer Art von Immunzelle, im Krankheitsfall verstehen. Am IST Austria wird sie die Retina als Modelsystem benutzen, um das Verhältnis zwischen Neuronen und Mikroglia während der Entwicklung, Alterung und Erkrankung zu untersuchen. 

Nach ihrem Studium der Biologie an der Johann Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt, Deutschland, ging Siegert von 2005 bis 2010 für ihr Doktorat an das Labor von Botond Roska am Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research in Basel, Schweiz. In ihrer Doktorarbeit klärte sie die morphologischen und elektrophysiologischen Charakteristika verschiedener Zelltypen in der Säugetier-Retina. Für diese bahnbrechende Arbeit, die zeigte, dass jeder Zelltyp in der Retina einen einzigartigen Satz an Genen exprimiert, erhielt Siegert 2013 den SWISS OphthAWARD in der Kategorie „Beste experimentelle Arbeit“. Seit 2011 ist Siegert Postdoc im Labor von Li-Huei Tsai am MIT. In ihrer Arbeit definierte sie, wie micro-RNA-137, ein Risikogen für Schizophrenie, die Übertragung von Nervensignalen beeinflusst. Siegert konzentrierte sich auch auf ein Modelsystem für die Untersuchung der Funktion von Mikroglia in Hirnerkrankungen. Sandra Siegert kam Anfang August 2015 an das IST Austria.  

Sylvia Cremer wurde zur Professorin am IST Austria befördert. Das ist das Ergebnis der tenure evaluation, einer verpflichtenden Evaluierung gemäß dem leistungsorientierten Karrieremodel des IST Austria. Als Evolutionsbiologin interessiert sich Sylvia Cremer für die Verhaltensökologie und evolutionäre Immunologie von Ameisengesellschaften. Unter sozialen Insekten, die in dicht besiedelten Kolonien leben, besteht ein hohes Risiko der Krankheitsübertragung. Cremer untersucht, wie Insektengesellschaften durch individuelle und kooperative Abwehr Krankheitserreger bekämpfen. In ihrer Forschung verbindet sie die Verhaltensbeobachtung mit physiologischen und molekularen Messungen der Immunität und chemischen Analysen. Cremer erforscht alle drei Säulen der kollektiven Krankheitsabwehr: Hygieneverhalten, Verwendung von antimikrobiellen Substanzen und die Anpassung des sozialen Interaktionsnetzwerks zur Minimierung der Krankheitsausbreitung.

Cremer, 42 Jahre alt, studierte Biologie an der Friedrich-Alexander-Universität von Erlangen-Nürnberg, Deutschland. Cremer machte ihre Doktorarbeit in der Gruppe von Jürgen Heinze an der Universität von Regensburg, Deutschland, und promovierte 2002. Für ihr Postdoc wechselte sie in die Gruppe von Jacobus J. Boomsma an der Universität von Kopenhagen, Dänemark. 2006 gründete Cremer ihre eigene Forschungsgruppe an der Universität von Regensburg, wo sie sich 2010 habilitierte. Sie erhielt 2009 einen ERC Starting Grant und ist Mitglied der Jungen Kurie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sylvia Cremer kam 2010 als Assistant Professorin an das IST Austria.

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