23. März 2020

Eine gemeinsame Anstrengung

Eine Nachricht von Thomas Henzinger, Präsident des Institute of Science and Technology Austria

Liebe Freund*innen des IST Austria!

IST Austria ist erfolgreich in den Remote-Status gewechselt, was bedeutet, dass fast alle wissenschaftlichen und administrativen Mitarbeiter*innen in das Home Office umgezogen sind, mit Ausnahme eines kleinen Kernteams, das auf dem Campus die Anlagen und die Technik betreut. Eine Task Force, bestehend aus Management und Expert*innen, organisiert die Tätigkeiten und stellt sicher, dass die Forschung auch auf Distanz so gut wie möglich fortgesetzt werden kann. Unsere Professor*innen und Student*innen treffen sich online; sie unterrichten und besuchen Kurse online. Die vielen Geschichten, die ich in den letzten Wochen von IST-Mitgliedern gehört habe, die an einem Strang ziehen um einander und andere zu unterstützen, machen mich stolz auf unsere Gemeinschaft.

Dies ist die Stunde der Ersthelfer*innen wie Sanitäter*innen, Krankenschwestern und Ärzt*innen. Wir danken Ihnen von Herzen und unterstützen sie.

Es ist auch die Stunde angewandter und klinischer Forscher*innen in den Bereichen Virologie, Immunologie und Medizin, die unermüdlich daran arbeiten, schnellere Tests, bessere Behandlungen und auf lange Sicht wirksame Impfstoffe zu entwickeln.

Deren Erfolge beruhen auf Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften, insbesondere dem Wissen, welches das weltweite Netzwerk von Grundlagenforscher*innen schafft. IST Austria ist ein Knoten in diesem Netzwerk. Neue Erkenntnisse durch Grundlagenforschung zu gewinnen, dabei gehören wir zu den besten und das werden wir auch weiterhin tun.

Die Naturwissenschaften sind der einzige Weg, unser einschlägiges Wissen zu erweitern, und ein wichtiger Weg, aus der Krise zu lernen, indem wir ihre Ursachen, Mechanismen und Folgen zu verstehen versuchen. Um ähnliche Krisen in Zukunft zu vermeiden oder zumindest zu lindern, müssen die zu Grunde liegenden Phänomene auf allen Ebenen untersucht und verstanden werden. Dies reicht von der Ebene der Moleküle, Zellen und Organismen bis hin zur Sphäre individuellen Verhaltens, sozialer Interaktionen, stochastischer Prozesse und mathematischer Ressourcenoptimierung.

IST Austria ist ein Campus, auf dem Wissenschaftler*innen unterschiedlichster Bereiche Forschung an den Grenzen unseres Wissens betreiben. Um Ihnen einige Beispiele zu geben:

In den Biowissenschaften untersucht Florian Schur die molekularen Wechselwirkungen zwischen Viren und Zellen, Michael Sixt und Calin Guet die Interaktion zwischen Mikroben und dem Immunsystem, Sylvia Cremer die Reaktionen von Insektengesellschaften auf Infektionskrankheiten und Nick Barton die genetische Anpassung von Populationen auf Veränderungen in der Umwelt.

In den Computer- und Systemwissenschaften entwickeln Christoph Lampert und Matthew Robinson neue Ansätze im maschinellen Lernen und der Statistik zur Analyse extrem großer Datenmengen, Krzysztof Pietrzak neue Methoden in der Kryptographie – der Wissenschaft, die allen Bemühungen zur Gewährleistung des individuellen Datenschutzes zugrunde liegt – und Krishnendu Chatterjee neue Algorithmen für die Spieltheorie, die dazu beitragen, die Regeln der Zusammenarbeit und des Betrugs in Gesellschaften vorherzusagen.

Diese und viele weitere Forscher*innen, auch aus Mathematik, Physik und Chemie, bilden den fruchtbaren Boden, aus dem das Unerwartete sprießen kann. Die großen Probleme von gesellschaftlicher Bedeutung, von Pandemien bis zum Klimawandel, können nur durch die multidisziplinäre Anstrengung von Weltklasse-Wissenschaftler*innen effektiv angegangen werden. Die Forscher*innen des IST Austria arbeiten disziplinenübergreifend am Institut zusammen und leisten ihren Beitrag zu dicht geknüpften Netzwerken mit anderen führenden Wissenschaftler*innen in der ganzen Welt.

Parallel dazu teilen wir unsere Begeisterung für die Wissenschaft und unser Fachwissen mit der Öffentlichkeit. Wir haben ein Online-PopUp-Wissenschaftslabor für Kinder eingerichtet, die jetzt zu Hause sind. Und wir entwickeln ein Citizen-Science-Projekt zur Untersuchung des menschlichen Verhaltens angesichts der aktuellen Bedrohung. Die Aufklärung von Lehrer*innen, Schüler*innen und der Öffentlichkeit über die herausragende Bedeutung der Naturwissenschaften für unsere Gesellschaft ist eine der Hauptaufgaben des IST Austria, und die aktuelle Situation bietet eine wichtige Lektion: Eine Bedrohung wie das Corona-Virus kann nur dadurch abgewehrt werden, in dem wir neue Erkenntnisse gewinnen, nicht durch Rückzug; durch das Fachwissen der Vielen, nicht einiger Weniger; und durch das Vertrauen auf evidenzbasierte Analysen, nicht auf Unwissen.

Dies sind herausfordernde Zeiten. Wir haben das Privileg, Wissenschaftler*innen zu sein. Und es ist uns ein Anliegen zu helfen. Am Ende des Tages – egal wie lange dieser Tag dauern mag – werden es die Naturwissenschaften sein, die das Virus besiegen.

Passen Sie gut auf sich auf.

Eine Nachricht von Thomas Henzinger, Präsident des Institute of Science and Technology Austria


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