8. Juni 2010

Memorial für Opfer der NS-Medizinverbrechen

Art work of Dorothee Golz at the IST Austria campus as a "poetic sign of transience" Kunstwerk von Dorothee Golz am IST Austria Campus als „poetisches Zeichen der Vergänglichkeit“

Memorial for victims of NS medical crimes introduced

Im Rahmen einer kleinen Gedenkveranstaltung wurde heute Vormittag auf dem Campus des Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) das Memorial für die Opfer der NS-Medizinverbrechen der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Kunstwerk von Dorothee Golz erinnert an die Taten von NS-Ärzten zwischen 1939 und 1945 in dem ehemaligen Krankenhaus für Neurologie und Psychiatrie in Maria Gugging. 

Dr. Claus J. Raidl, Vorsitzender des Kuratoriums von IST Austria erinnerte in seiner Rede daran, dass es den führenden VertreterInnen des Instituts schon in der Gründungsphase ein besonderes Anliegen war, den Opfern der NS-Medizinverbrechen in Form eines Memorials zu gedenken. Raidl weiter: „Eine Gesellschaft lässt sich danach beurteilen, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.“ Deswegen sei es wichtig, an diese Taten zu erinnern, die vor mehr als 60 Jahren in dem Krankenhaus für Neurologie und Psychiatrie verübt wurden. 

Prof. Edelbert Köb, Direktor des MUMOK und Vorsitzender der Jury für den geladenen Wettbewerb, der im Frühjahr 2008 abgehalten wurde, lobte den Entwurf der Künstlerin Dorothee Golz als „poetisches Zeichen der Vergänglichkeit.“ Der auf Stelzen angehobene Container sei bewusst als Kunstwerk konzipiert worden und entziehe sich damit herkömmlichen Metaphern des Gedenkens an NS-Verbrechen. Köb charakterisierte die Arbeit als “sensibel und einzigartig, fern aller traditionellen oder thematischen Formulierungen ohne die typischen Elemente einer Gedenkstätte. Dorothee Golz nähert sich einem komplexen Problem mit Hilfe der Metaphorik und erweckt dadurch Verständnis für Zustände und Gefühle wie Erinnerung, Vergangenheit, Verzweiflung und Verlust.“ Köbs Resümee: „Ein erfreulicher Wettbewerb mit einem ungewöhnlichen Ergebnis“.

Dorothee Golz – aus Deutschland stammend und in Wien lebend – betonte, dass es ihr wichtig gewesen sei, „den Opfern mit dem Entwurf ihre Würde zurückzugeben.“ Der Container als äußere Hülle könne und solle durchaus altern: „Die Betrachterin, der Betrachter soll dem Memorial ansehen können, was die Vergänglichkeit bewirkt.“ Und weiter: „Ich möchte mich bei IST Austria für die Offenheit und gute Zusammenarbeit bei der Realsierung dieses unkonventionellen Projekts bedanken.“

An der Gedenkveranstaltung nahmen außerdem IST-Präsident Prof. Thomas Henzinger, Prof. Haim Harari, Vorsitzender des Exekutivkomitees von IST Austria, und Dr. Gerald Murauer, Managing Director von IST Austria, teil. 

Das Kunstwerk
Das zentrale Element des Memorials ist ein alter Frachtcontainer, der an einer Seite im Winkel von 45 Grad gekippt ist. Durch den Container hinauf blickend können die Skizze eines Tisches und eines Sessels ausgemacht werden – sowie eine unterbrochene Kette von Kugeln, das Leben symbolisierend, das plötzlich und unerwartet geendet hat. Das Wort “Leben” kann noch gelesen werden, obwohl die Kugeln auf dem Boden verstreut sind. Am oberen Ende öffnet sich eine Tür zum Himmel, zu einer neuen Zukunft und einer neuen Hoffnung.

Die Jury
Zu dem Wettbewerb im Frühjahr 2008 wurden zwölf KünstlerInnen beziehungsweise Teams eingeladen, die in Österreich tätig sind. Die Jury bestand aus Prof. Edelbert Köb, Direktor des MUMOK, Prof. Carl Pruscha, ehemaliger Rektor der Akademie der Bildende Künste und dem Künstler Hans Kupelwieser sowie Dr. Claus Raidl, Vorsitzender des Kuratoriums von IST Austria, Prof. Haim Harari, Vorsitzender des Exekutivkomitees von IST Austria und Oliver Lehmann, Pressesprecher von IST Austria. Als Grundlage für den Wettbewerb beauftragte das Exekutivkomitee von IST Austria den Wiener Historiker Dr. Herwig Czech mit der Erstellung einer Studie über die NS-Medizinverbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging. Die Studie wurde den an dem Wettbewerb teilnehmenden KünstlerInnen als Ausgangspunkt für ihre Überlegungen übermittelt.

Bilder vom Memorial und weitere Informationen zu dem Memorial finden Sie unter www.memorialgugging.at



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