8. November 2021

Peter Jonas erhält Seeburg Preis

Professor Peter Jonas wird für seine bahnbrechenden Leistungen im Bereich der Neurowissenschaften ausgezeichnet.

In his laboratory at IST Austria, Professor Peter Jonas studies one of the greatest mysteries: the human brain. © Peter Rigaud / IST Austria
In his laboratory at IST Austria, Professor Peter Jonas studies one of the greatest mysteries: the human brain. © Peter Rigaud / IST Austria

Peter Jonas, Professor für Physiologie und Neurowissenschaften am Institute of Science and Technology (IST) Austria, erhält den Peter Seeburg Integrative Neuroscience Prize der Society of Neuroscience. Jonas wird für seine herausragenden Forschungsleistungen geehrt, insbesondere für seinen bedeutenden Beitrag zum Verständnis der synaptischen Signalverarbeitung auf molekularer und zellulärer Ebene.

Die Funktionsweise des Gehirns zu verstehe, ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das menschliche Gehirn besteht aus fast 100 Milliarden Neuronen, die über 10.000 Synapsen pro Zelle miteinander kommunizieren. Wie diese Synapsen Berechnungen höherer Ordnung im Säugetiergehirn formen, ist eine grundlegende Forschungsfrage von Professor Peter Jonas. Dabei verfolgt er einen Bottom-up-Ansatz, der von der Ebene der Rezeptoren und Kanäle über die Synapsen bis hin zu Schaltkreisen und in-vivo-Aufnahmen reicht.

Um miteinander zu kommunizieren, benötigen Neuronen sogenannte Neurotransmitter wie Glutamat oder Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Gemeinsam mit dem Neurowissenschafter Peter Seeburg entdeckte Jonas zu Beginn seiner Karriere Glutamat-Rezeptoren auf Interneuronen, die für Kalzium durchlässig sind, und klärte die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen auf. Später fand er heraus, dass Interneuronen im Rückenmark zwei Transmitter freisetzen, charakterisierte Gehirnzellen, die im erwachsenen Säugetiergehirn gebildet werden, lieferte den ersten Beweis für analoge Kodierung an der kortikalen Synapse von Säugetieren und untersuchte Konnektivitätsmotive im Hippocampus. Professor Jonas ist bekannt für seine Arbeit an Interneuronen, die das Kalzium-bindende Protein Parvalbumin exprimieren und hat die molekularen und subzellulären Mechanismen ihrer schnellen Signalübertragung aufgeklärt. Dazu entwickelte er neue Techniken und revolutionierte die Aufzeichnung der Aktivität an verschiedenen hochspezialisierten Stellen im Gehirn. Der aus Deutschland stammende Neurowissenschafter verbindet experimentelles mit theoretischem Fachwissen und kombiniert dabei Spitzentechnologien mit quantitativer Modellierung, um seine Hypothesen rigoros zu testen und neue Konzepte zu entwickeln.

Für seine Beiträge zum Verständnis der synaptischen Kommunikation und Informationsverarbeitung in neuronalen Mikroschaltkreisen wurde Professor Jonas nun mit dem Peter Seeburg Integrative Neuroscience Prize ausgezeichnet. Mit dem Preis werden herausragende Fortschritte im Verständnis exekutiver Hirnfunktionen und kognitiver Prozesse gewürdigt. Er wird erstmals auf der diesjährigen Jahrestagung der Society for Neuroscience (SfN) verliehen und ist mit einem Preisgeld von 100.000 Dollar dotiert, das von der Schaller-Nikolich-Stiftung gestiftet wurde. Der Preis ist nach Peter Seeburg (1944-2016) benannt, der ein führender Neurowissenschafter und Pionier der Molekularbiologie war. 

Über die Person

Peter Jonas schloss 1987 sein Medizinstudium an der Universität Gießen ab. Von 1988 bis 1989 war er Postdoc am Physiologischen Institut der Universität Gießen und von 1990 bis 1994 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe des Nobelpreisträgers Bert Sakmann am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. Nach seiner Habilitation 1992 an der Universität Heidelberg und einer weiteren Station an der TU München als außerplanmäßiger Professor wurde er von 1995 bis 2010 zum ordentlichen Professor und Leiter des Physiologischen Instituts der Universität Freiburg ernannt. Im Jahr 2010 wurde Peter Jonas als erster Neurowissenschaftler an das IST Austria berufen.



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