12. Juni 2012

Wittgenstein-Preis an Thomas Henzinger

Wichtigster Forschungspreis Österreichs an IST Präsident • Auszeichnung an einen weltweit angesehenen Computerwissenschafter

Thomas Henzinger to receive Royal Society Award

Thomas Henzinger ist einer der beiden Wittgenstein-Preisträger 2012. Dies gaben Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, heute Mittag bekannt. Der Präsident des Institute of Science and Technology (IST) Austria erhält den wichtigsten Wissenschaftspreis des Landes gemeinsam mit Niyazi Serdar Sariçiftçi, Physikochemiker an der Universität Linz. In einer ersten Reaktion sagte Henzinger: „Ich danke der Wittgenstein-Jury für diesen Preis. Ich werte sie nicht nur als Anerkennung und Ansporn für meine eigene Forschung, sondern auch als Ehrung für mein ganzes Team.“ Der Computerwissenschaftler leitet neben seiner Tätigkeit als IST-Präsident auch eine Forschungsgruppe mit derzeit fünf Postdocs und zwei PhD-Studenten. Henzingers besonderes Interesse gilt mathematischen Methoden für die Verbesserung der Qualität von Software.

Thomas Henzinger wurde 1962 in Linz (Oberösterreich) geboren. Er schloss sein Studium der Informatik an der Johannes Kepler Universität in Linz mit Auszeichnung ab. Nach dem Erwerb des Master of Science in Computer and Information Sciences an der University of Delaware promovierte er 1991 in Computer Science an der Stanford University, einem der weltweit besten Institute in diesem Feld. Es folgten Tätigkeiten als Assistent Professor of Computer Science an der Cornell University (1992-95), als Assistant Professor (1996-97), Associate Professor (1997-98), Professor (1998-2004), und (2004-2011) Adjunct Professor of Electrical Engineering and Computer Sciences an der University of California in Berkeley. Von 1999 bis 2000 war Henzinger Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken. Im April 2004 wurde er Professor für Computer and Communication Sciences an der ETH Lausanne (EPFL). Ende 2008 wurde er zum Präsidenten des Institute of Science and Technology Austria bestellt, 2009 trat er dieses Amt offiziell an.

Thomas Henzinger zählt zu den ISI Highly Cited Scientists. Microsoft Academic Search führt ihn als einen der 100 weltweit produktivsten Wissenschaftler in den Fachgebieten Software-Engineering, Echtzeitsysteme und theoretische Informatik an; Google Scholar zufolge werden drei seiner Veröffentlichungen mehr als 1000 Mal zitiert, 12 Veröffentlichungen mehr als 500 Mal und mehr als 50 Veröffentlichungen mehr als 100 Mal. Im Jahr 2010 wurde Henzinger mit einem Advanced Grant des European Research Council ausgezeichnet. Henzinger ist Mitglied der Academia Europaea, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ein Fellow der Association for Computing Machinery (ACM) und des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE).

Prof. Henzingers zentrales Forschungsgebiet ist die Entwicklung formaler Methoden für Programm- und Systemverifikation im Bereich der Informatik. Das Forschungsgebiet befasst sich mit der Verbesserung der Zuverlässigkeit von Soft- und Hardwaresystemen. Henzinger entwickelte neuartige Theorien, Algorithmen und Werkzeuge mit denen Fehler in Computerprogrammen entdeckt werden können. Darüber hinaus hat er wichtige Beiträge in den Bereichen von Echtzeitprogrammen und eingebetteten Systemen geleistet. Auf ihn gehen fundamentale mathematische Theorien zur Modellierung von Prozesssteuerungssoftware zurück. In letzter Zeit hat er sich auch einigen anderen Feldern gewidmet, etwa dem Gebiet der Spieltheorie, der Systembiologie und neuer Programmiermodelle. Neben anderen Leistungen hat er den Begriff der „Executable Biology“ geprägt. Damit wird der Ansatz beschrieben, die Interaktion von Molekülen oder Zellen mit Hilfe von algorithmischen Beschreibungen der entsprechenden Prozesse zu modellieren.

Henzinger ist gemeinsam mit acht anderen WissenschaftlerInnen und ihren Gruppen an insgesamt fünf österreichischen Forschungsstätten Mitglied des Nationalen Forschungsnetzwerks (NFN) „Rigorous Systems Engineering“ (RiSE). Die in dieser Plattform organisierten WissenschaftlerInnen haben es sich mit ihrem Projekt zur Aufgabe gemacht, die Forschung an formalen Methoden für die Entwicklung von korrekt funktionierenden Computersystemen zu fördern – ein Thema mit hoher Anwendungsperspektive, weil Computersoftware in immer mehr sensiblen Bereichen eingesetzt wird. Dank dieser Initiative gilt Österreich als eine der führenden Forschungsregionen auf diesem Feld.

Der Wittgenstein-Preis ist mit bis zu 1,5 Millionen Euro dotiert. Er wird alljährlich von einer international besetzten Jury auf Grund einer internationalen Begutachtung vergeben. Das Programm dient der Auszeichnung und Förderung in Österreich tätiger WissenschafterInnen, die herausragende wissenschaftliche Leistungen erbracht haben und in der fachspezifischen internationalen Scientific Community eine anerkannte Stellung einnehmen. Inhaltliche Vorgaben gibt es nicht, der Wittgenstein-Preis fördert durch ein Höchstmaß an Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung der Forschungstätigkeit so genannte “Blue Sky”-Projekte, die jenseits bekannter Erkenntnishorizonte liegen.



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