1. März 2022

Tag der Geschlechterforschung

Wie das ISTA sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Forschung einsetzt.

Supporting women and diversity at ISTA

Wissenschaftliches Talent ist gleichmäßig verteilt – wer einen Teil der Bevölkerung ausschließt, schließt damit auch Talente aus. Dennoch sind Frauen vor allem in den MINT-Bereichen (Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik) immer noch drastisch unterrepräsentiert. Am Tag der Geschlechterforschung, einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, macht das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) auf das Problem aufmerksam und zeigt, was für mehr Vielfalt in der Wissenschaft getan werden kann.

Nie zuvor gab es so viele Studentinnen wie heute. Zu Beginn ihrer Laufbahn teilen sie sich den Hörsaal zu etwa gleichen Teilen mit ihren männlichen Kommilitonen – zumindest, wenn man Universitäten verschiedenster Fachrichtungen gemeinsam betrachtet. Schaut man die wissenschaftliche Karriereleiter jedoch hinauf, ändert sich dieses Bild. Unter Postdocs überwiegen Männer und wenn es um eine Professur geht, sind Frauen eindeutig in der Minderheit – ein Phänomen, das sich „Leaky Pipeline“ nennt.

Eine Frau, die es bis an die Spitze geschafft hat, ist ISTA-Professorin Kimberly Modic. „Es ist wirklich wichtig, das System zu ändern, denn so, wie es im Moment gestaltet ist, schließen wir fast 50 Prozent potentieller Wissenschaftstalente aus. Sie könnten viel einbringen: neue Perspektiven, andere Meinungen und andere Arten, Dinge anzugehen. Es ist eine Schande, wenn wir dieses Potential verpassen, wegen eines Systems, das Frauen nicht dabei unterstützt, erfolgreich zu sein“, so die Physikerin.

Bewusstsein schaffen und Zeichen setzen

Im Jahr 2021 startete das Institut daher eine Kampagne, um auf das Problem aufmerksam zu machen und verstärkte seine Bemühungen für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft. In regelmäßig stattfindenden Podiumsdiskussionen und „STEM-Fatale“-Vorträgen werden Forscherinnen und ihre Arbeit ins Rampenlicht gestellt. Dabei werden auch die Herausforderungen auf ihrem Lebensweg thematisiert und wie sie damit umgehen. Um sich noch bewusster um ein inklusives Arbeitsumfeld zu bemühen, unterzeichnete das Institut im vergangenen Jahr zudem die ALBA-Deklaration zu Gleichstellung und Inklusion und richtete eine entsprechende Arbeitsgruppe ein.

Um mehr Bewusstsein für das Problem und eigene Vorurteile zu schaffen, taten sich Forschende mit Künstler:innen zusammen. Unter dem Motto „Show how to empower!“ reflektierten Studierende, Postdocs und Professor:innen in „stillen Interviews“ über Geschlechtergerechtigkeit. Die Interviews wurden von dem renommierten Fotografen Peter Rigaud abgelichtet. Auf einem der Lieblingsbilder von Professorin Modic bricht sie genüsslich ein Ei über einem großen Haufen Würstchen. „Ich wollte das Patriarchat dekonstruieren“, erklärt sie mit einem Lächeln. „Die Eier stehen für die Frauen, die Würstchen für die Männer und die Idee war: Wirf einen Haufen Frauen in den Mix und stärke das System.“

Ein weiteres Kunstwerk, das zum Diskutieren einlädt, ist das großformatige Plakat mit dem Titel „She makes her body glitch“ der Künstlerin Barbara Kapusta, das im Zentrum des Campus zu sehen ist. Um insbesondere Mädchen für eine Karriere in den MINT-Fächern zu begeistern, hatten Schülerinnen außerdem die Möglichkeit, echte ISTA-Forscherinnen per Videotelefonie zu treffen und sie in einem Girl’s Special unseres beliebten „Zoom-a-Scientist“-Formats alles zu fragen.

Professor Kimberly Modic. “Throw a bunch of women into the mix and strengthen the system!” © ISTA/Peter Rigaud
Professorin Kimberly Modic. „Wirf einen Haufen Frauen in den Mix und stärke das System.“ © ISTA/Peter Rigaud

Forscherinnen aktiv ansprechen

„Schauen wir jedoch auf unseren Lehrkörper, der zurzeit aus 54 männlichen und 14 weiblichen Professor:innen besteht, ist uns sehr bewusst, dass es nur ein erster Schritt sein kann, ein größeres Bewusstsein für das Problem zu schaffen“, so ISTA-Präsident Thomas Henzinger. Daher hat das Institut seit mehreren Jahren einen Ausschuss zur Rekrutierung von Professor:innen eingerichtet, der aktiv auf potenzielle Kandidatinnen zugeht, um den Frauenanteil besonders in Bereichen zu erhöhen, in denen sie stark unterrepräsentiert sind.

Um die Vereinbarkeit von Wissenschaftskarriere und Familienleben zu erleichtern, bietet das ISTA eine hochwertige Kinderbetreuung für Kinder im Alter von drei Monaten bis sechs Jahren direkt auf dem Campus an. Darüber hinaus hilft das Institut bei der Suche nach anderen Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen und Jobs für Partner:innen. Um ein einladendes und inklusives Arbeitsumfeld für alle zu schaffen, werden administrative Angestellte sowie Forscher:innen aller Ebenen regelmäßig ermutigt, an speziellen Fortbildungen teilzunehmen. Dabei werden kulturelle Sensibilität, eine respektvolle Kommunikation, die Bedeutung von Vielfalt sowie die Gleichstellung der Geschlechter thematisiert. Zurzeit entwickelt das ISTA einen Gleichstellungsplan mit konkreten, auf das Institut zugeschnittenen Maßnahmen.

Gesellschaftlicher Handlungsbedarf

Neben den Bemühungen des Instituts sieht Henzinger auch auf gesellschaftlicher Ebene dringenden Handlungsbedarf. „In Österreich wird oft von einer frühzeitigen Kinderbetreuung abgeraten und man gilt als schlechte Eltern, wenn man sich dafür entscheidet. Vom Kindergarten über die Volksschule bis hin zum Gymnasium müssen wir Wissenschaft zudem so vermitteln, dass Schülerinnen begeistert und nicht demotiviert werden.“

Die vielfältigen Erfahrungen und Perspektiven von Menschen aller Geschlechter sowie aller sozialen und kulturellen Hintergründe bereichern die Wissenschaft. In vielfältigen Teams, in denen sich alle wertgeschätzt fühlen und ihr Bestes geben können, steigen auch die Chancen auf herausragende Ideen. Der Weg zu Gleichberechtigung und Inklusion ist lang und erfordert viel Geduld und Ausdauer. Als Forschungseinrichtung, die auch eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft einnehmen will, ist sich ISTA seiner Verantwortung bewusst und wird sich weiterhin aktiv um dieses Ziel bemühen.



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